Vorbei sind die Zeiten, in denen in der privaten Muckibude in Hinterhöfen nur tonnenweise Eisen gestemmt wurde, um dann endlich als mit Muskeln bepackter Traummann durch den Ort zu stolzieren. Schließlich entsprach der Muskelmann der 80er doch seinem großen Ebenbild, Arnold Schwarzenegger, der in dieser Zeit das durchtrainierte Vorbild der Männerwelt war. Seither hat sich aber im Bereich Kraftsport viel geändert.
Ein wichtiger Grund für die neuen Bedürfnisse an das Fitnessstudio waren Veränderungen im Arbeitsleben. Der Computer-Arbeitsplatz mit seiner einseitigen Haltung setzte sich im Laufe der Jahre auf dem Arbeitsmarkt durch. Den körperlichen Problemen gerecht werdend, die diese neuen sitzenden Tätigkeiten mit sich brachten, gründete der Orthopäde Dr. Wolff eine Rückenschule. Erkenntnisse und Anwendungen dieser Rückenschule werden auch heute noch erfolgreich angewendet oder als Basis für darauf aufbauendes Training genutzt.
Das Kieser Training drang aus der Schweiz fast zeitgleich auf den Markt. Das Prinzip dieses Kieser Trainings setzte stark auf medizinische Aspekte und richtige sich an Menschen, die über orthopädische Probleme klagten. Das Kieser Training war aber weniger auf optische Aspekte, denn mehr auf medizinische Bedürfnisse ausgerichtet. Wirklich etablieren konnte es sich nicht.
Der Wellness Boom der 90er mit Spa, Sauna und Entspannung veränderte die Bedürfnisse im Fitnessstudio weiter. Nicht mehr nur glänzendes Eisen war angesagt, die puristisch eingerichtete Muckibude war auf einmal out. Der Trend ging auch in diesem Bereich zum Wohlfühlen und Entspannen. Lang- und Kurzhanteln, Bankdrücken und sonstige Erfolgsrezepte der starken Männer a la Conan, der Barbar, wurden im Fitnessstudio durch Geräte erweitert, die nicht nur den Muskelaufbau als Hauptziel inne hatten, sondern auch das allen anderen Ansprüchen wie Ausdauer, Kraft und Wohlgefühl gerecht wurden. Das einfache Fitnessstudio für harte Kerle wich dem Fitnesscenter.
Und siehe da: Mitte der 90er brachte genau derjenige, der den Fitnessbedarf der Menschen durch neue Arbeitsplätze so veränderte, auch revolutionäre Veränderungen in der Branche. Der Computer hielt Einzug in das Fitnessstudio. Die Jahrtausendwende brachte nämlich die Perfektion von Fitness und Wellness mit sich. Computergesteuerte Geräte, die mit Chipkarten vom Kunden individuell eingestellt werden, hielten triumphalen Einzug in das Fitnessstudio. Genaue, an den Körper angepasste Einstellung und das korrekte Gewicht – all diese Informationen kann das moderne Fitnessgerät von der Chipkarte des Trainierenden ablesen.
Durch intensives Ausarbeiten eines Trainingsplanes wurde das Verletzungsrisiko gegenüber alleine freien Gewichten der Anfangszeiten im Fitnessstudio deutlich verringert. Die Tätigkeit des Trainers ist aber leider nach dieser Einweisungsphase eher auf Motivation reduziert. Und doch vereinen die Trainingspläne von heute die individuell persönlichen Ziele mit den Aspekten von Kraft und Ausdauer. Die Angebotspalette des Fitnessstudio von heute wird immer weiter ausgebreitet und verspricht Fitness, Aerobic-Kurse, Wellness, Spaß und aktive Freizeitgestaltung, welche natürlich Wert auf individuelle Wünsche und Ziele legen.
Welche Steigerungen im Fitnessstudio können wir als nächstes mit Spannung erwarten? Vielleicht werden wir beim Betreten des Clubs gescannt? Getränke werden von menschenähnlichen Robotern – natürlich mit perfekter Figur – ausgegeben? Der menschliche Wunsch nach Perfektion der Technik wird wohl auch hier noch reichlich Blüten tragen.
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