Im Jahre 1903 wurde in Milwaukee, Wisconsin von William S. “Bill” Harley und Arthur Davidson die Firma Harley Davidson Motor Co. ins Leben gerufen. Damals hatte sich die beiden mit Sicherheit nicht träumen lassen, dass ihre Zweiräder nicht nur Hollywood inspirieren, sondern sich im Laufe der Jahrzehnte ein ganz eigenes, dem Zeitgeist angepasstes, Lebensgefühl um ihre Harleys weben würde – die Easy Riders.
Sonnenstrahlen, die sich in blitzendem Chrom auf den Harleys brechen, Staubwolken, die in die Unendlichkeit aufsteigen und die karge Einöde wie ein mit Samt bezogenes Federbett erscheinen lassen. Die Sehnsucht nach Freiheit hat sich in die Herzen der Harley Fahrer eingeprägt.
“Born to be wild” waren Peter Fonda und Dennis Hopper damals im Kultfilm Easy Rider, der wie kein anderer die Rebellion einer ganzen Generation verkörperte. Geld- und Drogenschmuggel unter der amerikanischen Flagge, allen Widerständen trotzend, die eigenen Kräfte mit anderen Mächten messend. Einsame Steppenwölfe am glimmenden Lagerfeuer.
In über 30 Jahren hat sich die Menschheit aber weiter entwickelt, die Erde ihre Bahnen gedreht und das Amerika der Lost Generation an Glanz und Glorie verloren. Asphalt ist zur Grundlage der jungen Wilden geworden. Einsamkeit zeigt sich nicht mehr durch das Fehlen anderer Menschen im Umkreis von vielen Meilen, sondern durch den Verlust der Kommunikationsfähigkeit. Waren damals noch die unterlassenen Gespräche in Easy Rider als entspannender Ruhepol zu verstehen, werden sie heute stattdessen als Mangel oder auch als Zurückweisung empfunden.
Die moralischen Schranken der prüden Nachkriegszeit sind gefallen. Stattdessen schnürt uns ein neues Korsett, welches noch viel schwerer abzuschütteln ist. Business Briefings, Dresscodes und politische Korrektheit sind überlebenswichtig geworden. Mit Zeitmangel von Besprechung zu Geschäftsessen hetzen, die Freizeit für die Karriere opfern und das eigene Selbst zugunsten der Erwartungen von anderen leugnen, dominieren den heutigen Zeitgeist. Umso grandioser ist die Verführung der Harleys. Ihre Anhänger schätzen ihre Freizeit Freiheit, in der sie allen Zwängen des Systems enfliehen können.
Nicht die Ölspuren an den Händen weisen heute auf die Harley hin, sondern ein tiefer wissender Blick, der für ungebrochenen Mut und Rückrat steht. Gepaart mit der Erkenntnis, dass der Mensch kein Einzelkämpfer ist, sondern Gefährten braucht. Unnötigen Small Talk mag führen, wer will. Im Angesicht atemberaubender Naturschauspiele ist jedoch jedes Wort zu viel.
Vagabundieren zwischen den Welten ist das Motto, das die Harley Anhänger sich oft verinnerlicht haben. Ein sehnsuchtsvoller Blick zurück über die Schulter in die Zeit, als alles noch einfach erschien. Voranschreitend mit der Gewissheit, dass milchiges Mondlicht, summende Grillen, der markante Duft von frisch gemähtem Gras und funkelnde Augen nicht der Vergangenheit angehören, sondern nur nicht mehr ganz so einfach zu finden sind.
So macht sich der Easy Rider des 21. Jahrhunderts auf in Richtung Sonnenuntergang, um auf den ausgetretenen Pfaden die innerliche Ursprünglichkeit zu finden. Er genießt in der Freizeit seine Freiheit, entflieht den Zwängen und tuckert mit Ruhe und Gelassenheit auf seiner Harley der Sonne entgegen.
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2 Reaktionen zu “Harley – die Easy Riders des 21. Jahrhunderts”
Wenn ich das so lese kommt bei mir gleich die Sehnsucht nach einer Harley auf. Sie ist mit keinem anderen Motorrad der Welt zu vergleichen, einfach Kult. Kult nach Freiheit, Lebensliebe… *träum*
Beim Harley Kult gibt es nur entweder oder. Entweder man liebt sie oder eben nicht. Die Fans von beispielsweise Straßenmaschinen, träumen in den seltensten Fällen von der Harley. Die Wand meines Jugendzimmers hat damals ein Poster von einer Harley geschmückt. Dabei kam ich immer richtig ins träumen. Ja, der Harley hängt definitiv ein Kult von Freiheit und Ungebundenheit sowie des Vagabundenlebens an.